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Von 1950 bis heute – Eine lebendige Gemeinde

Seit ihrer Wiedergründung 1950 ist die jüdische Gemeinde Regensburg nicht nur eine lebendige Religionsgemeinschaft, sondern auch ein wichtiger Teil der Stadtgesellschaft von Regensburg. Dabei wächst sie stetig und gibt Heimat.

Die neugegründete Gemeinde

Am 1. August 1950 wurde die Jüdische Gemeinde Regensburg, Nachfolgerin der Jewish Community, gegründet. Erster Rabbiner war – wie schon zuvor, Yakob Simcha Avidor. Die Gemeinde zählte etwa 350 Personen meist aus Polen stammende Mitglieder und war orthodox. Bei den ersten Wahlen wurde ein Gemeindevorstand gewählt: Max Hirsch, Chaim Schwerdt, Chaim Pommeranz, Dr. Martin Rottenberg, Josef Ciesierski und Markus Kalfus. Rasch entstanden ein jüdischer Kindergarten und eine hebräische Schule.

 

Die rabbinerlose Zeit

Nach der Amtszeit der Rabbiner Avidor, Kraus und Liebermann begann ab 1969 eine lange rabbinerlose Zeit. Das lag auch an der abnehmenden Mitgliederzahl, denn die Gemeindemitglieder wurden älter – viele verstarben, junge Leute zogen oft weg, etliche wanderten aus, vor allem nach Israel. Die Zukunft der Gemeinde stand manchmal in den Sternen.

Gleichzeitig aber entwickelten sich viele Kontakte zur Stadt und in die Stadtgesellschaft hinein. Schon 1952 wurde ein lokaler Ableger der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit gegründet, die unter den Stichworten „reden“, „lernen“ und „erinnern“ Dialog ermöglicht. Unter den vielfältigen Schulprojekten, die sich mit dem Judentum in Regensburg beschäftigten, war „Alles koscher?!“  eine der größten Initiativen. 2006 entstand schließlich die Stolperstein-Initiative, die ein Andenken an verschleppte und ermordete Regensburger durch kleine Bodendenkmale schafft.

Das 1968 errichtete Gemeindehaus

 

Wendezeiten

Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus hatten (und haben) Juden und Menschen mit jüdischen Vorfahren aus den Nachfolgestaaten der Sowjetunion die Möglichkeit sich in Deutschland niederzulassen, denn sie wurden (und werden) dort diskriminiert. Das sorgte für einen starken Zuwachs der Gemeinde, denn die Zuwanderer wurden dort angesiedelt, wo es bereits jüdische Gemeinden gab. Die ersten neuen Gemeindemitglieder kamen 1994 nach Regensburg– etwa 60 Personen. Das war für die Gemeinde gleichzeitig Bereicherung und große Herausforderung, vor allem auch wegen der Sprachbarriere. Daher bedeutete Gemeindeleben ab den neunziger Jahren auch ein Angebot an Deutsch- und Qualifizierungskursen. Im Laufe der Zeit wuchs die Gemeinde auf etwa 1000 Personen. Nun hatte die Gemeinde auch wieder Rabbiner, von 1996 bis 2008 Dannyel Morag, danach und bis heute wirkt hier Josef Chaim Bloch.

 

Neue Herausforderungen

Der Altbau mit Mikwe, Gebetsraum und Büroräumen war zwar nutzbar, wurde aber zu klein. Auch das Ende der sechziger Jahre erbaute Gemeindezentrum bot zwar eine Küche, Sanitärräume und einen Saal, doch nur für maximal 100 Personen. Dass der Gebetsraum zu klein war, machte sich vor allem an hohen Feiertagen bemerkbar. Zu den Sederabenden konnten nicht alle eingeladen werden. Es gab keinen Platz für ein Jugendzentrum und selbst der Religionsunterricht fand in beengten Räumen statt. Auch für einen Begegnungsraum, einen Kindergarten, oder eine Bibliothek gab es keinen oder viel zu wenig Platz. Weil man sich in der Gemeinde aber wohlfühlen muss, um dort heimisch zu werden, hat die jüngste Geschichte der Gemeinde viel mit dem langgehegten Wunsch nach einer neuen Synagoge zu tun.

 

Ein gutes Miteinander

Dabei wird die jüdische Gemeinde von vielen RegensburgerInnen unterstützt. Der Förderverein Regensburger Synagoge e.V. unter der Leitung von Dieter Weber führt die Bemühungen, dieses neue Zentrum jüdischen Lebens zu gestalten, zusammen.

 

Gesichter einer lebendigen Gemeinde

Unter diesem Namen entstand 1998 ein Buch der beiden langjährigen Begleiter des Gemeindelebens: Helmut Wanner und Uwe Moosburger. Während Wanner bei der Mittelbayerischen Zeitung regelmäßig über die Geschicke der jüdischen Gemeinde unterrichtet, steuert Moosburger seit Jahrzehnten Fotos bei, die die Veränderungen festhalten. Sicher werden auch weiterhin viele Gesichter einer lebendigen Gemeinde entstehen.

BILD

Bilder

Stadtbildstelle Regensburg, Altrofoto (Uwe Moosburger)

Literatur

Bierwirth, Waltraud: Aufbruch „Am Brixener Hof“. In: Himmelstein, Klaus (Hrsg.): Jüdische Lebenswelten in Regensburg: eine gebrochene Geschichte. Regensburg 2018. S. 372-398.

Moosburger, Uwe / Wanner, Helmut: Schabbat – Schalom. Gesichter einer lebendigen Gemeinde. Regensburg 1998.

Nagel, Gerhard: Die jüdische Gemeinde in Regensburg baut ein neues Gemeindezentrum. In: Hagalil, 14. Dezember 2017. Online: http://www.hagalil.com/2017/12/regensburg-10/ (22.2.2019)

Rosengold, Hans: Neubeginn nach dem Zusammenbruch. In: Himmelstein, Klaus (Hrsg.): Jüdische Lebenswelten in Regensburg: eine gebrochene Geschichte. Regensburg 2018.

Weber, Dieter: Stolpersteine in Regensburg. In: Himmelstein, Klaus (Hrsg.): Jüdische Lebenswelten in Regensburg: eine gebrochene Geschichte. Regensburg 2018. S. 350-371.