Jüdische Historie Regensburg
20. Mai 2021

Ausstellung ERINNERUNG

mit Helga Hoskova- Weissova und jüdischen Malern im KZ Flossenbürg im Historischen Museum

Ausstellung  „Erinnerung“

 Zur Geschichte der Ausstellung

 Die Ausstellung „Erinnerung“ wurde von Begegnungen mit dem tschechischen Überlebenden des KZ Flossenbürg Miloš Volf inspiriert.

Zur 50. Wiederkehr der Befreiung des KZ Flossenbürg lud die „Arbeitsgemeinschaft“ einige Hundert Überlebende erstmals zu einem gemeinsamen Gedenken ein: 50 Jahre hatte es gedauert …

Zu diesem Anlass zeigte eine kleine Ausstellung im Rathaus Flossenbürg erstmals die Werke von 5 Künstlern. 1995 - 1997 konnten weitere Künstler sowie eine Künstlerin entdeckt und Werke erworben werden. Parallel dazu wurden die Bilder in Regensburg, Weiden und Dachau ausgestellt. Ab September 1997 sahen die Ausstellung viele Tausend Besucher in Polen: In Lodz und Krakow 1997, 1998 in Kattowice, Bielsko, Warschau, Gdansk (Stutthof) und in Groß-Rosen. Nach einer Erweiterung des Bestandes waren die Werke im Jahre 2001 in Kiew und Odessa, 2002 in Minsk und Tel Aviv ausgestellt. Seither folgten vermehrt Ausstellungen u. a. in Brüssel, in mehreren deutschen Gedenkstätten wie Hadamar und 2005 in Lidice; in den folgenden Jahren an mehreren Orten in Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik und den Benelux-Ländern.

Seit 2015 ist eine (Teil-)Ausstellung mit Bildern von Künstlern und der Künstlerin Helga Hošková – Weissová, jeweils zusammengefasst nach der Gefangenengruppe –Violetter Winkel:  Jehovas Zeugen; Rosa Winkel: Homosexuelle; Schwarzer Winkel: u.a. Sinti und Roma; Gelber Stern: Jüdische Menschen – fester Bestandteil der Gedenkveranstaltung zur Befreiung Regensburgs am 23. April jeden Jahres.

Nachdem nur noch wenige ehemalige Gefangene aus dem KZ Flossenbürg und seinen Außenlagern leben, nur noch einige als Zeitzeugen zu uns sprechen können, werden die Werke und die damit verbundenen Erinnerungen der Künstler immer mehr zur Quintessenz dessen, was unser Gedenken bestimmt. Zusammen mit den auf Video und Film festgehaltenen Interviews bilden sie ein besonderes Vermächtnis.

Die Ausstellung „Erinnerung“ dokumentiert 4 Epochen künstlerischer Auseinandersetzung mit dem Konzentrationslager:

  1. Im Lager

Einigen Künstlern gelang es, heimlich und – bei Entdeckung – vom Tode bedroht das Unfassbare in kleinen Zeichnungen festzuhalten. Diese Bilder zeigen aber auch der Hoffnung auf eine Ende der Gräuel, die bei den Mitgefangenen den Mut zum Leben aufrecht erhalten sollten. Es fällt auf, dass die Bilder der beiden Tschechen Miloš Volf (1943) und Ota Matoušek (1944) nicht hauptsächlich Leid und Tod thematisieren. Miloš Volf, der als Blockschreiber mit Glückwunschkarten für Kapos und SS-Leute oft Lebensmittel für sich und andere eintauschen konnte, kämpft mit Aquarell und Karikatur für eine ersehnte Zukunft. Ota Matoušek ‚notiert‘ im Kopf und auf einzelnen Zeichenblättern alles, was er noch 1945 nach der Befreiung in seinen Zyklus – ‚Das XX. Jahrhundert‘ - ausführen wird. Vàclav Navràtil malt für einen deutschen Zivilmeister, der ihm Materialien und die Gelegenheit verschafft in einem Versteck in ein Skizzenbuch zu zeichnen und kleine Ölbilder aus Flugzeuglacken herzustellen. Vladimír Odvody schnitzt aus Knochen der Küche ein Schachspiel, in dem siegreiche tschechische Könige, aber auch die Wachtürme des Konzentrationslagers dargestellt sind.

 

  1. Albträume, Bilder nach der Befreiung aus dem Lager

Die Maler und die einzige bisher bekannte Malerin, die das Lager überlebt haben, sind „aus der Hölle zurück“. Der grauenhafte Alltag, die ständige Todesgefahr und der für viele aussichtslose Kampf um die Rettung stehen ihnen noch unmittelbar vor Augen. Im Lager konnten sie als Arbeitssklaven außer in absoluten Sonder- oder Ausnahmesituationen weder einen Ort der Ruhe noch Malutensilien finden. Sie waren zur Arbeit bis zu ihrem Tod  -„ Vernichtung durch Arbeit“ - vorgesehen, schon das Überleben war ein Glücksfall. Den bald wieder gleichgültigen und mit ihren scheinbar so schweren Lebensbedingungen beschäftigten Mitmenschen versuchten sie nach der Befreiung  mit dem Mitteln der Kunst das Grauen und die unmenschliche Behandlung durch SS und ihre Helfershelfer im  Lager verständlicher zu machen.

Der deutsche Maler Richard Grune z. B., Klee-Schüler und Bauhausabsolvent, erinnert  in Bildern wie „Km 5.4“ an die Todesmärsche. Helga Hošková–Weissová kann ihre zuerst im Staub der Drehbank  zur Munitionsproduktion im Außenleger Freiberg schnell wieder verwischten Zeichnungen zu Papier bringen und dann in den 60er Jahren monumental in Öl gestalten; sie bleiben ihr Lebensthema, das sie in den 80er Jahren noch einmal  in Holz und Linoleum graphisch gestaltet. Bruno Furch,und  Szmuel Laitner sind hier zu nennen wie die beiden Künstler aus der Flossenbürger ‚Malstube‘ František Michl und Hugo Walleitner.

 

  1. „Danach“ - 30 oder 40 Jahre später

Anderen überlebenden Künstlern ist klar, dass sie nach der Befreiung weiterhin gefährdet sind. Nur der radikale Schnitt, der Versuch, alles zu vergessen, ermöglicht ihnen ein weiteres Leben. Aber die Erinnerung ist nicht zu bezwingen, sie kehrt umso mächtiger zurück. Und nach dem Ende des aktiven Berufslebens fühlen sie die Verpflichtung ihren Kameraden und sich selbst gegenüber: Zeugnis abzulegen. Isaac Celnikier, der in Polen geborene Maler aus Paris, die Wiener Bruno Furch und Karl Stojka und andere bewahren in ihren Bildern das Vermächtnis der Überlebenden der Lager, sie nutzen die Mittel der Kunst zur Mahnung an die Nachgeborenen.

 

  1. ‚Nachgeborene Künstler‘

Kann man „ein ehemaliges KZ malen“ oder künstlerisch gestalten? Darf man das, wenn man nicht selbst die Todesangst im Lager durchlebt hat? Theo Scherling aus München und Tom Gefken aus Bremen stellen sich eine andere Frage: ‚Wie übernehmen wir heute Verantwortung? Wie können wir mit den Erinnerungen der Überlebenden umgehen? Wie gestalten wir das Gedenken?‘ Sie haben ganz unterschiedliche Formen gefunden, an unsere Verantwortung zu appellieren, Trauer darzustellen.

 

 

Helga Hošková–Weissová     Isaac Celnikier     Szmuel Laitner     Michael Smuss

 

Kunstwerke jüdischer Künstlerinnen und Künstlerhätten im Lager nur unter besonderen „Bedingungen“ entstehen können: künstlerische Freiheit, für ‚die mit dem gelben Stern‘ gab es nicht. Die hier gezeigten Kunstwerke konnten allesamt nicht im Lager selbst, sondern erst unmittelbar nach der Befreiung oder Jahre, gar Jahrzehnte später entstehen.

Helga Hošková–Weissová hatte ihre Kinderzeichnungen in Theresienstadt zurückgelassen; im Außenlager Freiberg skizzierte sie manchmal nach Arbeitsende schnell einzelne Motive in den Metallstaub der Schleif- oder Bohrmaschinen – um sie dann sofort wieder in Todesgefahr zu verwischen. Aber die Bilder in ihrem Kopf konnte sie unmittelbar nach der Befreiung festhalten. Nach dem Studium bei Emil Filla an der Prager Akademie arbeitet sie weiter an diesen frühen Zeichnungen und schuf in den 60-er Jahren monumentale Ölgemälde, die sie wiederum in den 80-ern in Holz- und Linolschnitte, die hier gezeigt werden, umsetzte.

Szmuel Laitner versuchte bald nach der Befreiung auf einem Todesmarsch südlich von München nach Palästina zu gelangen, das Auswandererschiff gelangte jedoch nicht ans Ziel. In Zypern von den Briten inhaftiert konnte er dort Kunst studieren und – endlich in Palästina angelangt, seine künstlerische Arbeit beginnen.

Isaac Celnikier überlebte mehrere Lager und wurde schließlich auf dem Todesmarsch vom KZ Flossenbürg ins KZ Dachau befreit. Er studierte ebenfalls bei Emil Filla in Prag, kehrte dann nach Polen zurück und wanderte schließlich nach Frankreich aus, wo er bis zu seinem Tod in Paris lebte. Er versuchte seine Erinnerungen und Traumata zu vergessen. Trotzdem entstand ein Werk aus diesen KZ-Erinnerungen von Graphiken, die in der ganzen Welt ausgestellt wurden.

Michael Smuss, der einzige Autodidakt dieser Gruppe, wurde nach dem Warschauer Ghettoaufstand ins KZ verschleppt, zog nach seiner Befreiung im April 1945 zunächst den amerikanischen Truppen, ehe er eine Familie in Lodz wiederfand. Er emigrierte in die USA und von dort 1979 nach Israel. Erst nach Beendigung seines Arbeitslebens begann er mit Malkursen und schuf großformatige Ölgemälde

(Impressum)

 

ERINNERUNG. Die Bilder von jüdischen Künstler*innen im KZ Flossenbürg und seinen Außenlagern.

Idee und Konzeption Dr. Hans Simon-Pelanda ………..

Eine Ausstellung der Stadt Regensburg und der ‚Arbeitsgemeinschaft ehemalige KZ Flossenbürg e. V.‘

Das Konzentrationslager Flossenbürg

Errichtung

Flossenbürg war von Anfang an als ein Konzentrationslager zur Ausbeutung von Zwangsarbeitern, ein Lager zur „Vernichtung durch Arbeit“ geplant. In diesem richtete sich der Terror nicht mehr nur gegen die politischen Gegner der Nazis, sondern auch gesellschaftliche Außenseiter sollten durch brutale Zwangsarbeit entweder „brauchbare Glieder der Volksgemeinschaft“ oder ‚durch Arbeit‘ vernichtet werden. Als geeignete Standorte wählte die SS v.a. Steinbrüche wie Flossenbürg, Mauthausen und Natzweiler aus.

Nach Gesteinsuntersuchungen begann im April 1938 der Aufbau dieses KZ ca. 20 km nordöstlich von Weiden unmittelbar beim Ort Flossenbürg. Anfang Mai 1938 kamen die ersten 100 Gefangenen aus dem KZ Dachau an. Von Gestapo und SS wurden sie als „Kriminelle“ und „Asoziale“ geführt; mit dem grünen Winkel wurden aber beispielsweise auch kleine Diebe, Wohnsitzlose und Alkoholiker gekennzeichnet.

Dieser neue Typus Konzentrationslager trug u.a. der Tatsache Rechnung, dass die SS zeit-gleich mit dessen Gründung erstmals begann, eigene wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. Billigste, rechtlose Arbeitskräfte sollten profitabel in den eigens zu diesem Zweck gegründeten „Deutschen Erd- und Steinwerke“ (DEST) ausgebeutet werden. In diesen Lagern steigerte das Regime den Terror zu einer absoluten und perfektionierten, bisher unbekannten Macht, die durch schwerste Arbeit, Hunger, Willkür und Schikane die Vernichtung menschlichen Lebens einplante und später mechanisierte – und das durchaus nicht im Geheimen, denn Terror wirkt durch Einschüchterung aller (noch nicht) Betroffenen. Daher wussten die „Volksgenossen“ auch von derartigen Lagern, die sie sich aber oft als eine Art Arbeitserziehungs-Lager ‚zurechtinterpretierten‘; in der oft gebrauchten Drohung – „Halt’s Maul, sonst kommst nach Dachau/Flossenbürg!“ – war dies allgemein geläufig.

Wirtschafts- und Rüstungsstandort

Schon beim Aufbau des Lagers, das ursprünglich für 3000 Gefangene ausgelegt war, herrschten harte Bedingungen; neben der erwähnten Einschüchterung können die unzureichende Ernährung und Unterbringung sowie die täglichen Schikanen bis hin zum Mord an Einzelnen durch die SS-Schergen und ihre Helfershelfer als Indizien besonders schwerer Haftbedingungen gelten. Neben einem 90köpfigen SS-Stab zählten die Wachmannschaften zunächst 300, bei Kriegsende 10x so viele Männer und Frauen.

Der KZ-Stein­bruch ist bald der größ­te Wirt­schafts­be­trieb in Flos­sen­bürg, später in der ganzen Region: Mit­te 1939 ar­bei­ten dort täg­lich bereits et­wa 850 KZ-Gefangene, ih­re Zahl steigt bis 1942 auf 2.000 an. Ein Ar­beits­tag im Stein­bruch dau­ert zwölf Stun­den, nur un­ter­bro­chen von ei­ner kur­zen Pau­se, in der ei­ne dün­ne Sup­pe aus­ge­geben wird. Bis zu 60 zi­vi­le Be­schäf­tig­te - Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te, Stein­met­ze, Fah­rer und Lehr­lin­ge - sind bei der DEST be­schäf­tigt, vie­le mit re­gel­mä­ßigem Kon­takt zu den Gefangenen.

Noch bevor die Arbeitskraft der Gefangenen ab 1943 in verstärktem Umfang für die Rüstungswirtschaft und für die eigenen Zwecke der Waffen-SS ausgebeutet wurde, lassen sich in und um Flossenbürg, vor allem für die Jahre 1941 und 1942, eine Vielzahl von täglich ins Stammlager zurückkehrenden Außenkommandos belegen. Den ‚Entleihern‘ wurde ein Tagessatz von 3 RM je Gefangenen in Rechnung gestellt, der Transport zum Einsatzort wurde meist von der SS übernommen, der auch die Bewachung oblag. Um KZ-Gefangene für einen Arbeitseinsatz zu beantragen, genügte anfangs ein formloses Schreiben an den Lager-kommandanten mit Angabe von Zweck, Dauer und Umfang der Maßnahme. Indirekt flossen die Gewinne daraus  in die Aufrüstung oder Kasernen der Waffen-SS.

Das erste Außenlager außerhalb Flossenbürgs wurde im Frühjahr 1942 bei einer Flussspatgrube in Stulln (südliche Oberpfalz) errichtet, einem kriegswichtigen Betrieb für die Aluminiumherstellung. Im gleichen Jahr schlug die Messerschmitt GmbH, einer der größten Rüstungskonzerne, der DEST, also der Waffen-SS, vor, KZ-Gefangenen als Arbeitskräfte in der Rüstung einzusetzen. Die DEST stellte die Produktionshallen sowie die Zwangsarbeiter, während das Messerschmittwerk für das technische Know-How, Material, Maschinen sowie zivile Fachkräfte sorgte. Neben diesem Rüstungskommando mit der Deckbezeichnung „2004“ wurden zwei weitere Außenkommandos jeweils mehrere Hundert Gefangenen für die Flugzeugproduktion eingerichtet. Anfang 1944 arbeiteten schon 2000, Ende des Jahres 5200 Gefangene im Haupt- sowie den zahlreichen Außenlagern für die Rüstungsindustrie. Nun wurden Tausende Zwangsarbeiter, ausländische und sogar jüdische Gefangene ins  - schon als „judenfrei“ gefeierte – Reich verschleppt.

 

Außenlager

Mit dem Verleih von Arbeitssklaven im großen Umfang entstand ab 1942/43 ein ganzes  Netz von Arbeitsstellen außerhalb des ursprünglichen Lagers und des Steinbruchs. Neben den Produktionsstätten für die Flugzeugherstellung in unmittelbarer Nähe zum Stammlager wurden zunehmend bei anderen Rüstungsbetrieben Arbeitssklaven in festen Außenlagern angesiedelt. Diese Nebenlager blieben dem Hauptlager unterstellt, entwickelten sich aber zu eigenen, teilweise sehr großen Terrorstätten. Die beiden größten Außenlager waren Litomeriçe (Leitmeritz) bei Theresienstadt nördlich von Prag mit ca. 5.000 KZ-Gefangenen und Hersbruck bei Nürnberg mit ebenfalls mindestens 5000 Arbeitssklaven. Aufgrund der menschenverachtenden Arbeitsbedingungen starben dort in wenigen Monaten Tausende, so dass die alliierten Ankläger in Nürnberg von „Todesfabriken“ sprachen

 

Das Ende

 

Mit der Befreiung der Lager im Osten trafen ab 1944/45 Häftlinge aus Auschwitz und anderen Lagern und Nebenlagern in Flossenbürg ein, wo im April 1945 fast 20 000 Gefangene auf To­des­mär­sche nach Süden getrieben wurden. Zuvor brachte die SS viele „Sonderhäftlinge“ nach Flossenbürg, wo sie hingerichtet wurden, darunter aus dem Widerstand Admiral W. Canaris sowie Pastor D. Bonhoeffer und ihre Mitgefangenen. Diese letzten Wochen forderten die meisten der über 30 000 Toten des Lagers. Durch die ganze Oberpfalz und Niederbayer zogen Elendskolonnen, viele Gefangene starben an Entkräftung, wurden er­schos­sen oder er­sch­la­gen. Am 23. April befreite die US-Ar­mee das KZ Flos­sen­bürg; in den Krankenbaracken fanden die Gis noch 1.500 schwer­kran­ke sterbende Menschen.


Nach 1945 wurden Teile des ehemaligen KZ-Geländes als Wohnungen für Flüchtlinge und Industrie- sowie Handwerksbetriebe genutzt, andere zerstört und überbaut. Auf einem kleinen Areal außerhalb des Lagers errichteten Gefangene 1946 ihre eigene Gedenkstätte im „Tal des Todes“, der Freistaat Bayern gestaltete Teile des Lagers zu einem Friedhofpark um.

Szmuel Laitner

wurde am 20. Januar 1925 in Będzin (dt. Name Bendsburg) im Süden Polens geboren. Dieses „Kleinpolen“ genannte Gebiet war eine Enklave im sonst überwiegend von Deutschen bewohnten Schlesien. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten in Deutschland flohen bis zum Kriegsbeginn immer mehr jüdische Familienaus  Deutschland hierher: „Die Stadt begann sich mit jüdischen Flüchtlingen zu füllen…klar, dass der schreckliche Krieg unvermeidbar war, [mit ihm] …änderte sich das Leben: Hinrichtungen, Hunger, Misshandlung….Ich wurde eines Tages gekidnappt, ein Junge von 16 Jahren“ (S. L. 2002), der 1941 zur Zwangsarbeit verschleppt wurde. Er durchlebte alle Gräuel der Lager und kam am 15.2. 1945 von Groß-Rosen als „Nummer 85156“ ins KZ Flossenbürg. Er wird im schlimmsten Außenlager Hersbruck einem Kommando zum unterirdischen Stollenbau zugeteilt, teilweise muss er auch Bombenschäden in Nürnberg beseitigen. Nach dem 8. April 1945 werden Tausende Häftlinge in „Todesmärschen“ über das Außenlager Saal Richtung KZ Dachau getrieben – viele unterwegs getötet. Der Leidensweg des jungen Szmuel endet erst in der Nähe des Tegernsees, wo er Anfang Mai 1945 von amerikanischen Truppen befreit wird.

Nachdem er erfahren hatte, dass niemanden seiner ganzen Familie überlebt hatte, schloss er sich einer jüdischen Jugendorganisation an, die ihre Ausreise nach Palästina vorbereitete. Ihr Schiff „La Negev“ wurde von Einheiten der britischen Mandatsverwaltung vor der Ankunft in Palästina aufgebracht, die Flüchtlinge aus den Lagern der Nazis auf Zypern interniert. Bis nach fast 2 Jahren die Einreise gelingt, kann er allerdings bei Naftaly Bazam studieren.

In Israel wird er einer der Gründer des kommunistischen Kibbuz Gazit, in dem er zeitlebens als Künstler bleibt. Hier entsteht nach ersten Werken in Zypern der Großteil seiner Zeichnungen. Bald werden seine Arbeiten in ganz Israel ausgestellt, später folgen Polen, Deutschland und andere.

ISAAC CELNIKIER

 

 

 

Am 8. Mai 1923 wurde Isaac Celnikier in Warschau geboren. Von 1934 bis 1938 besuchte er ein Kinderheim des bekannten Psychologen und Pädagogen Janusz Korczak in seiner Heimatstadt. Zwei Monate nach Beginn der deutschen Besatzung im November 1939 floh er mit Mutter und Schwester nach Bialystok im Osten Polens.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion errichteten die Deutschen 1941 dort ein großes Ghetto. Anfang 1943 begannen die  Deportationen in die Konzentrationslager zur Zwangsarbeit oder direkt in die zur Vernichtung. Nach einer missglückten Flucht kam Isaac nach Stutthof, später nach Auschwitz, wo er in Birkenau und Buna (Auschwitz III) Zwangsarbeit leisten musste. Mit einem Todesmarsch aus Auschwitz kam er nach mehreren Stationen Anfang 1945 in sein letztes KZ, nach Flossenbürg. Auf dem Todesmarsch von dort nach Dachau im April 1945wurde er befreit. Später fanden mich die Amerikaner lebendig zwischen den Leichen.“ (I. Celnikier)

Von 1946 bis 1952 Studium der Monumentalmalerei an der Akademie in Prag bei Emil Filla, Rückkehr nach Warschau. 1957 Übersiedlung nach Paris, bedeutende Ausstellungen, 1967 durch André Malraux zum Chevalier des Arts et de Lettres ernannt.

Isaac Celnikier starb am 11. November 2011 in Ivry-sur-Seine 

Arbeitsgemeinschaft

ehemaliges KZ Flossenbürg e. V.

     

ARBEITSGEMEINSCHAFT EHEMALIGES KZ FLOSSENBÜRG e. V., gegr. 1986   

hervorgegangen aus  dem DGB-Jugend –Arbeitskreis „ Geschichte“ (gegründet nach Schändungen des Geländes des ehemaligen KZ Flossenbürg in den frühen 80er Jahren) und der „Geschichtswerkstatt Regensburg und Ostbayern“ (Regensburg 1984, nach der Wiederentdeckung des KZ-Außenlagers „Colosseum“ in Regensburg, Stadtamhof)

 

Mitte der 80er Jahre war Flossenbürg ein „Vergessenes KZ“: eine unter Bäumen und Buschwerk versteckte Grabanlage. Zum Gedenken hatten Überlebende in den 40er Jahren außerhalb des eigentlichen Lagergeländes bei der Kläranlage Nationengrabsteine und Erinnerungszeichen im „Tal des Todes“ errichtet;  zusammen mit einer unzureichenden und wenig informativen Ausstellung im ehemaligen, teilweise nicht abgerissenen Arrestbau war dies die einzige Information. Die Gefangenen- und SS-Baracken auf den Terrassen wurden nach 1945 allmählich abgerissen und private Einfamilienhäuser, auf dem Appellplatz einer Fabrikhalle, in der Nähe Kleingewerbebetriebe und in der Kommandantur Gemeindewohnungen errichtet.  Wissenschaftliches oder pädagogisches Personal fehlte, die für das KZ zuständige  „Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen“, kurz „Schlösserverwaltung“ (!), hatte einzig einen Gärtner festangestellt.

Der AK Geschichte resp. nach ihrer Gründung die ARGE erarbeiteten zunächst Plakatausstellungen, Vorträge und Bildertafeln, mit denen sie Bildungsveranstaltungen in ganz Ostbayern durchführte und so  das KZ Flossenbürg  wieder ins öffentliche Bewusstsein brachten  – teils gegen heftige Anfeindungen, teils mit Unterstützung zivilgesellschaftlicher Organisationen und wohlwollender öffentlicher Institutionen.

Schon nach 25 Jahren kann die ARGE feststellen, dass sie alle bei ihrer Gründung formulierten Ziele – Aufbau einer würdigen Gedenkstätte, Erforschung der Geschichte des KZ Flossenbürg, seiner Außenlager und Todesmärsche, Ehrung der Überlebenden und pädagogisch-wissenschaftliche Recherche sowie Präsentation der Ergebnisse durch festangestelltes Fachpersonal – initiiert und erreicht hatte.

 

Wichtige Stationen

 

50er Jahren        jährliches Gedenken der DGB-Gewerkschaftsjugend zum 9. November      

1981                      nach Schändungen der Grabanlage KZ Flossenbürg Arbeitsgruppe „Geschichte des KZ Flossenbürg“: Recherchen zu den wirtschaftlichen Verflechtungen

1982                     (Wieder-) Entdeckung des  Regensburger KZ -Außenlager „Colosseum“

1984                      erster bayerischer antifaschistischer Stadtführer „Regensburg 1933 – 45“ der „Geschichtswerkstatt Regensburg und Ostbayern e. V.“, insgesamt 6 Auflagen

1986                      „Arbeitsgemeinschaft ehemaliges Konzentrationslager Flossenbürg e. V.“,

1986-91                schulische und öffentliche Bildungsveranstaltungen, Ausstellungen, Führungen

1992                       Beginn der Sammlung künstlerischer Zeugnisse aus dem KZ („Flossenbürger Maler“); für ein Erinnerungszeichen am Regensburger „Colosseum“ durch die ArGe zusammen mit der Jüdischen Gemeinde (Juan Rosengold) und der „Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit“ (Dr. Andreas Angersdorfer)

    1993                       1. Radtour entlang einer der Todesmarschrouten, (Wieder)-Entdeckung von lokalen

                            Gedenkanlagen, Gräbern, Erinnerungen; Wiederbelebung von Gedenkorten

1994                      Kontaktaufnahme zu nationalen  Vereinigungen Überlebender des KZ Flossenbürg; Vorbereitung eines 1. Internationalen Überlebendentreffens zur 50-sten Wiederkehr der Befreiung des KZ, ohne finanzielle oder organisatorische Unterstützung ;

                               Entdeckung und Ankauf von Filmen und Fotos der National Archives Washington;

                               Nach 12 Jahren Denkmal für die Gefangenen im KZ- Außenlager „Colosseum

1995                      Einladung aller erreichten Überlebenden und ihrer Verbände zum

  • Internationalen Überlebendentreffen im KZ Flossenbürg; die Mitglieder der ArGe und andere ehrenamtlichen Helferinnen organisieren Reise, Unterbringung, Verköstigung und Betreuung von mehr als 300 KZ-Gefangenen; gleichzeitig
  • Internationale Jugendbegegnung mit griechischen, tschechischen und deutschen  Jugendlichen sowie
  • erste Ausstellung „ERINNERUNG“ mit Exponaten von im KZ Flossenbürg und den Außenlagern gefangenen Künstlern im Rathaus Flossenbürg

In den nächsten Jahren etablieren sich diese beiden Veranstaltungen der ARGE als

öffentliches Gedenken; die Ausstellung ERINNERUNG wird in ganz Europa gezeigt

1996                      Intensive Beteiligung der ArGe Beraterkreis Flossenbürg, Forderung nach und

                            Initiativen für ein „Würdiges Gedenken in KZ Flossenbürg“

1997                      Vorbereitung und Durchführung des 2. Internationalen Überlebendentreffens; Resolution der 11 Präsidenten und Vertreterinnen  der nationalen KZ Flossenbürg- Verbände mit einer „Beauftragung der ARGE

ein Mitglied der ArGe wird wiss. Mitarbeiter, später Leiter der Gedenkstätte

1998                      Betreuung und Unterstützung Überlebender; Zeitzeugengespräche, Lesungen, Ausstellungen von  „ERINNERUNG“. Verlegung des Vereinssitzes nach Regensburg

1999                      Film „Am Leben geblieben -Überlebende nach 50 Jahren  zurück in Flossenbürg“

2000                      Information, Unterzeichnung des bundesweiten Aufrufs in den überregionalen

                            Zeitungen „Entschädigung jetzt“ und Unterstützung von Überlebenden bei der

                            Beantragung von Entschädigungen für Zwangsarbeiter durch die BRD

2001                      Beginn der Herausgabe der Schriftenreihe „Ihrer Stimme Gehör geben“ mit

                            Lebenszeugnissen ehemaliger Gefangener im KZ Flossenbürg

2002                      zur Bewerbung Regensburg als Kulturhauptstadt Europas 2010 zwei  Projektvorschläge der ARGE zur Erinnerungskultur, u. a. ein „Stolperstein-Rundgang“

2005                      Forschungen zu tschechischen Außenlagern, mehrere Ausstellungen von                         „ ERINNERUNG“ in CZ

2006                      ein großes Konvoluts des tschechischen Malers Vaclav Navratil als Dauerleihgabe; Schenkung ein Teils des künstlerischen Nachlasses von Ota Matoušek an die ArGe

2007                      Professionelle Filmaufnahmen mit den drei letzten überlebenden Malern des KZ Flossenbürg, Trailer „Isaac Celnikier

2008                      verstärkte Bemühungen um ein gemeinsames Gedenken an alle Opfer des Faschismus in Regensburg

2010                      Neuerlicher  Antrag an den Oberbürgermeister der Stadt Regensburg für einen gemeinsamen Gedenkweg aller Initiativen zum 23. April

2011                      Protest gegen den verfälschenden Text einer Bodenplatte am Colosseum

2012                      in diesem und in den folgenden Jahren Einladung der letzten Überlebenden

2015                      erster Gemeinsamer Gedenkweg zum 23. April 1945, Sonderausstellungen

2016                      30 Jahre „Arbeitsgemeinschaft ehem. KZ Flossenbürg e. V

2017fff.                Ausstellung ERINNERUN: Künstler der Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Jüdische

 

Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg e. V., Hemauerstraße 15, 93047 Regensburg

Spenden: Raiffeisenbank Oberpfalz Süd, IBAN DE 47750620260000157848,    BIC  GENODEF1DST

Finanzamt Regensburg Steuernummer 244/107/10168

Helga  Hošková -Weissová

Helga wurde  10.11.1929 in Prag geboren. Am 10.12.1941 wird sie mit ihren Eltern ins Ghetto KZ  Terezín, Theresienstadt abtransportiert. In den drei Jahren dort zeichnet sie als Kind ‚was sie sieht‘, wie ihr der Vater geraten hatte. Diese Kinder-und Jugendzeichnungen halten Szenen aus dem Lager fest und zählen heute als wichtige Zeugnisse des Ghettoalltags aus der Sicht eines Kindes.

Mit ihrer Mutter wird sie nach Auschwitz deportiert, entgeht trotz ihres Alters der Selektion und wird zusammen mit ihrer Mutter als eine der jüngsten Zwangsarbeiterinnen nach Freiberg in Sachsen gebracht, ein Außenlager des KZ Flossenbürg für die Rüstungsindustrie. Dort  gibt es für sie keine Möglichkeit, an Malutensilien zu kommen; sie zeichnet einzelne Motive in den Metallstaub, um sie aus Angst vor Entdeckung und schwersten Strafen schnell wieder zu löschen.  Beim Vorrücken der Roten Armee wird sie mit den anderen Arbeitssklavinnen kurz vor Kriegsende noch auf einem Todesmarsch ins KZ Mauthausen getrieben.  Sie wird halbverhungert im Mai 1945 befreit und kehrt mit ihrer Mutter in die alte Wohnung der Familie in Prag zurück – aber der Vater war im KZ Auschwitz ermordet worden.

Helga fertigt erste Zeichnungen über die letzten Monate im Außenlager Freiberg und im KZ Mauthausen an; diese Motive tauchen nach ihrer Ausbildung zur akademischen Malerin in der Klasse von Emil Filla, einem ehemaligen Gefangenen im KZ Buchenwald, in ihren teils großformatigen Ölbildern der 60-er und Lithographien der 90-er Jahre wieder auf. Nach Ausstellungen in Israel und der Tschechoslowakei endet die öffentliche Präsentation nach dem Prager Frühling und erst in den 90-er Jahren  werden sowohl die Kinderzeichnungen wie die Werke der Künstlerin vermehrt in ganz Europa gezeigt.

Helga Hošková-Weissová lebt in Prag.